
30. Juni 2026
Hitzewelle in Deutschland: Warum extreme Hitze zur unterschätzten Gesundheitsgefahr wird
DGIIN warnt vor zunehmenden Notfällen und fordert konsequenten Hitzeschutz
Deutschland erlebt eine der ersten großen Hitzewellen dieses Sommers. Nach einem außergewöhnlich heißen Wochenende steigen die Temperaturen in vielen Regionen weiter an und erreichen örtlich Werte von deutlich über 35 °C. Für viele Menschen bedeutet das Sonnenschein und Sommerwetter – aus medizinischer Sicht stellt extreme Hitze jedoch eine ernstzunehmende Gesundheitsgefahr dar.
Die Deutsche Gesellschaft für Internistische Intensivmedizin und Notfallmedizin (DGIIN) warnt deshalb eindringlich vor den Folgen extremer Hitze. Bereits heute gehört Hitze zu den Naturgefahren mit den meisten Todesopfern in Deutschland. Mit zunehmender Dauer und Intensität von Hitzewellen steigt nicht nur die Zahl hitzebedingter Erkrankungen, sondern auch die Belastung von Rettungsdiensten, Notaufnahmen und Intensivstationen.
Hitze belastet den gesamten Organismus
Der menschliche Körper hält seine Kerntemperatur normalerweise konstant. Bei hohen Außentemperaturen muss das Herz-Kreislauf-System jedoch erheblich mehr leisten, um überschüssige Wärme über die Haut abzugeben. Gleichzeitig verliert der Körper durch Schwitzen große Mengen an Flüssigkeit und Elektrolyten.
Kann dieser Flüssigkeitsverlust nicht ausreichend ausgeglichen werden, drohen:
* Dehydratation
* Kreislaufzusammenbrüche
* Hitzekrämpfe
* Hitzeschöpfung
* Hitzschlag
* Herzinfarkte
* Schlaganfälle
* akutes Nierenversagen
* Verschlechterungen chronischer Herz- und Lungenerkrankungen
Besonders gefährlich ist der Hitzschlag. Dabei steigt die Körpertemperatur auf über 40 °C an. Es kommt zu einer Überhitzung des gesamten Organismus mit Störungen des Gehirns und anderer Organe. Ohne sofortige medizinische Behandlung kann ein Hitzschlag innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden.
Besonders gefährdet sind Millionen Menschen
Nicht jeder Mensch kann hohe Temperaturen gleich gut ausgleichen. Ein deutlich erhöhtes Risiko haben insbesondere:
* ältere Menschen
* Säuglinge und Kleinkinder
* Schwangere
* Menschen mit Herz-, Lungen- oder Nierenerkrankungen
* Patientinnen und Patienten mit Diabetes mellitus
* Menschen mit neurologischen Erkrankungen
* Pflegebedürftige
* Menschen, die allein leben
* Personen, die körperlich im Freien arbeiten
Auch zahlreiche Medikamente beeinflussen die Fähigkeit des Körpers, auf Hitze zu reagieren. Dazu zählen unter anderem Diuretika, ACE-Hemmer, AT1-Blocker, Betablocker, Psychopharmaka, Anticholinergika sowie Insulin und andere Antidiabetika. Medikamente sollten jedoch niemals eigenständig verändert oder abgesetzt werden.
Notaufnahmen spüren die Folgen extremer Temperaturen
Mit jeder ausgeprägten Hitzewelle steigt die Zahl medizinischer Notfälle. Notaufnahmen behandeln vermehrt Patientinnen und Patienten mit Flüssigkeitsmangel, Kreislaufversagen, Herzrhythmusstörungen oder Hitzeschlag. Gleichzeitig verschlechtern sich bestehende Herz-Kreislauf-, Lungen- und Nierenerkrankungen deutlich häufiger.
Auch für Krankenhäuser selbst stellen hohe Außentemperaturen eine zunehmende Herausforderung dar. Kühlung, Personalbelastung und die Versorgung einer steigenden Zahl akut Erkrankter gewinnen insbesondere während langanhaltender Hitzeperioden immer mehr an Bedeutung.
Klimawandel verändert die Intensiv- und Notfallmedizin
Extreme Hitze ist längst kein seltenes Wetterereignis mehr. Wissenschaftliche Daten zeigen, dass Hitzewellen häufiger auftreten, länger andauern und höhere Temperaturen erreichen als noch vor wenigen Jahrzehnten.
Damit verändert sich auch der Alltag der Intensiv- und Notfallmedizin. Hitzebedingte Erkrankungen werden künftig häufiger auftreten und stellen das Gesundheitswesen vor neue Herausforderungen. Hitzeschutz entwickelt sich deshalb zunehmend zu einer wichtigen Aufgabe der öffentlichen Gesundheitsvorsorge.
Die DGIIN unterstützt die Umsetzung nationaler und kommunaler Hitzeaktionspläne. Krankenhäuser, Pflegeeinrichtungen, Rettungsdienste und Kommunen müssen auf wiederkehrende Extremtemperaturen vorbereitet sein.
So können Sie sich schützen
Schon einfache Maßnahmen senken das Risiko erheblich:
* regelmäßig Wasser oder ungesüßte Getränke trinken
* nicht erst trinken, wenn Durst auftritt
* körperliche Belastungen zwischen 11 und 18 Uhr möglichst vermeiden
* Wohnräume tagsüber abdunkeln und nachts lüften
* leichte, helle Kleidung tragen
* direkte Sonneneinstrahlung meiden
* regelmäßig für Abkühlung sorgen
* auf ältere Angehörige und Nachbarn achten
* Warnungen des Deutschen Wetterdienstes beachten
Warnzeichen ernst nehmen
Folgende Beschwerden können Anzeichen eines medizinischen Notfalls sein:
* starke Kopfschmerzen
* Schwindel
* Verwirrtheit
* Bewusstseinsstörungen
* Atemnot
* Brustschmerzen
* anhaltendes Erbrechen
* heiße, trockene Haut
* Körpertemperatur über 40 °C
In diesen Fällen sollte unverzüglich der Rettungsdienst über die 112 alarmiert werden.
Hitzeschutz rettet Leben
Die DGIIN appelliert an Politik, Gesundheitswesen und Bevölkerung, die gesundheitlichen Folgen extremer Hitze ernst zu nehmen. Hitzeschutz ist keine Komfortmaßnahme, sondern eine wirksame Prävention gegen schwere Erkrankungen und vorzeitige Todesfälle.
Jede ausreichend getrunkene Flasche Wasser, jede vermiedene körperliche Belastung in der Mittagshitze und jeder Blick nach älteren oder chronisch kranken Mitmenschen kann dazu beitragen, medizinische Notfälle zu verhindern.
Extreme Hitze ist kein harmloses Sommerwetter. Sie ist eine der größten vermeidbaren Gesundheitsgefahren unserer Zeit – und eine Herausforderung, auf die sich das Gesundheitswesen dauerhaft einstellen muss.
Lesen Sie auch die Pressemitteilung der DGIIN
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