Sektion Infektologie/Immunologie

Univ.- Prof. Dr. med. Frank M. Brunkhorst

1. Sprecher:
Univ.- Prof. Dr. med. Frank M. Brunkhorst
Zentrum für Klinische Studien (ZKS)
Center of Sepsis Control and Care (CSCC)
Universitätsklinikum Jena
Salvador-Allende-Platz 27
07747 Jena
Tel.: +49 (0) 3641 932 3381/84,
frank.brunkhorst@med.uni-jena.de

Dr. med. Ulrike Olgemöller

2. Sprecher:
Dr. med. Ulrike Olgemöller
2Abteilung Kardiologie und Pneumologie,
Universitätsmedizin Göttingen,
Robert-Koch-Strasse 40,
37075 Göttingen,
ulrike.olgemoeller@med.uni-goettingen.de

Projekte und Aktivitäten der Sektion

1. Qualitatives Survey: Praxis der Blutkulturentnahme

Bei inzwischen weitgehend standardisiertem Vorgehen bei der Bearbeitung von Blutkulturflaschen im mikrobiologischen Labor hat insbesondere die leitliniengerechte Präanalytik auf der Intensivstation (Indikationsstellung, Probenentnahmetechnik, Transportzeit) einen enormen Einfluss auf die Qualität des diagnostischen Ergebnisses1. In einem quantitativen survey soll die Praxis der Blutkulturdiagnostik auf deutschen Intensivstationen näher beschrieben werden.

1 Schmitz RP, Keller PM, Baier M, Hagel S, Pletz MW, Brunkhorst FM. Quality of blood culture testing - a survey in intensive care units and microbiological laboratories across four European countries. Crit Care 2013: 17(5): R248

2. Sepsis-3: neue Definitionen der Sepsis und des septischen Schocks

Eine internationale Task Force hat im Auftrag der SSCCM und der ESICM die Definition der Sepsis überarbeitet. Die Sepsis wird jetzt als „lebensbedrohliche Organdysfunktion aufgrund einer fehlregulierten Körperantwort auf eine Infektion“ definiert. Die wichtigste prinzipielle Veränderung ist der Verzicht auf die SIRS-Kriterien und auf den Begriff der „schweren Sepsis“. Eine“ Sepsis“ setzt in Zukunft immer eine schwere Erkrankung, d.h. das akute Auftreten von infektionsortsfernen Organdysfunktionen voraus. In einer aufwändigen Analyse von 1,3 Millionen elektronischen Patientenakten, welche an 700.000 weiteren Infektionsfällen validiert wurde2, waren die SOFA-Kriterien am besten geeignet, dieKrankenhaussterblichkeit auf Intensivstationen vorherzusagen, während ausserhalb von Intensivstationen das screening-tool qSOFA („quick SOFA“: systolischer RR ≤ 100 mm/Hg, Atemfrequenz ≥ 22/min und akute Bewusstseinsveränderung) am besten geeignet war. Die Sektion wird die neuen Kriterien und die möglichen Konsequenzen auf das ICD-10 und DRGSystem in Kürze den Mitgliedern vorstellen. Eine erste Präsentation derDGIINwurde unter https://youtu.be/ca7a3J1r88g ins Netz gestellt.

2 Seymour CW, Liu VX, Iwashyna TJ, Brunkhorst FM, Rea TD, Scherag A, Rubenfeld G, Kahn JM, Shankar-Hari M, Singer M, Deutschman CS, Escobar GJ, Angus DC. Assessment of Clinical Criteria for Sepsis: For the Third International Consensus Definitions for Sepsis and Septic Shock (Sepsis-3). JAMA 315, 762–774 (2016).

3. Diagnose- und Therapieregister: Hämophagozytische Lymphohistiozytose (HLH)

Die HLH ist keine eigene Krankheitsentität, sondern ein syndromales Geschehen als gemeinsame Endstrecke zahlreicher Triggerfaktoren bzw. zugrundeliegender Erkrankungen. Auf Intensivstationen ist die Abgrenzung zu septischen Krankheitsbildern entscheidend, da die Therapie der HLH eine immunsuppressive Therapie beinhaltet. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass Intensivmediziner eine hohe diagnostische Vigilanz in Bezug auf HLH-Patienten entwickeln3. Die DGIIN unterstützt daher das von der Deutschen Gesellschaft für Hämatologie und Onkologie betriebene HLH-Register ( www.hlhregistry.org), innerhalb dessen auch eine konsiliarische Therapieberatung angeboten wird.

3 Okabe T, Shah G, Mendoza V, Hirani A, Baram M, Marik P. What intensivists need to know about hemophagocytic syndrome: an underrecognized cause of death in adult intensive care units. Journal of intensive care medicine 2012; 27: 58-64.

4. SAPFIRE: Das europäische Register für Sepsis-assoziierte Purpura fulminans

Es gibt keine verlässlichen Daten zur Epidemiologie und keine evidenz-basierten Leitlinien für das Management von Sepsis-assoziierter Purpura fulminans (SAPF). Ein europaweites SAPF Register startet im März 2016 4. Die teilnehmenden klinischen Zentren werden erstmals systematisch Daten zur Ätiologie, klinischem Verlauf, Biomarkern, Therapie, Morbidität und Mortalität erfassen. Weitere Informationen: http://www.sapfire-registry.org/ 

4 Brunkhorst FM, Patchev V. Ein europäisches Register für sepsisassoziierte Purpura fulminans (SAPFIRE). Medizinische Klinik - Intensivmedizin und Notfallmedizin. 2014, 109(8): 591-595.

5. Preventing Severe Infection in the Asplenic Population – an Interventional Trial to Enhance Adherence to Vaccination Guidelines (PROTECT)

Laut DRG-Statistik werden in Deutschland jährlich ca. 8000 Splenektomien vorgenommen und es wird geschätzt, dass 82.000 Personen mit Asplenie in Deutschland leben. Für diese Gruppe wird das Lebensrisiko, an einer schweren Sepsis zu erkranken, mit 2 – 5 %, die Letalität mit 50% und das Amputationsrisiko bei Vorliegen einer Purpura fulminans mit bis zu 30% angegeben. Impfungen stellen die wichtigste Präventionsmaßnahme bei Patienten mit Asplenie dar. Eine aktualisierte Impfempfehlung unter Berücksichtigung der neuen Konjugatimpfstoffe gegen Pneumokokken und Meningokokken findet sich unter www.asplenie-net.org. Die Ergebnisse der aktuellen SPLEEN –OFF Studie legen jedoch nahe, dass die Impf-Adhärenz in Deutschland gering ist 5 . Primäres Ziel von PROTECT, einer cluster-randomisierten multizentrischen Interventionsstudie ist die Wirksamkeit eines multifaktoriellen Interventionsprogramms an deutschen Krankenhäusern, um die Impfraten bei Patienten vor bzw. nach Splenektomie nachhaltig zu verbessern. Es ist vorgesehen, dieses Projekt innerhalb des Innovationsfond 2016 (https://innovationsfonds.g-ba.de/) zu beantragen.

5 Theilacker C, Ludewig K, Serr A, Schimpf J, Held J, Bögelein M, Bahr V, Rusch S, Pohl A, Kogelmann K, Frieseke S, Bogdanski R, Brunkhorst FM, Kern WV for the Splenectomy, Pneumococcus, and Fulminant Infection (SPLEEN OFF) Study Group. Overwhelming Postsplenectomy Infection: A Prospective Multicenter Cohort Study. Clin Infect Dis. (2016) 62 (7): 871-878

6. S3-Leitlinie: Prävention, Diagnose, Therapie und Nachsorge der Sepsis

Die. 2. Revision der „Sepsis-Leitlinie“ wird auf Initiative der Deutschen Sepsis-Gesellschaft (www.sepsis-gesellschaft.de) und unter Beteiligung von allen relevanten Fachgesellschaften gegenwärtig erarbeitet. Mit einer Konsentierung ist im 3. Quartal 2016 zu rechnen.

7. Eckpunktepapier 2015 zur notfallmedizinischen Versorgung der Bevölkerung in der Prähospitalphase und in der Klinik: neue Tracerdiagnose Sepsis

Das „Eckpunktepapier 2015“ definiert Rahmenbedingungen und Ziele für die notfallmedizinische Versorgung der Bevölkerung in Prähospitalphase und Klinik als Konsens der beteiligten Fachgesellschaften, Institutionen und Organisationen. Generelle Ziele bei lebensbedrohlichen medizinischen Notfällen sind, nach Diagnostik den frühestmöglichen Behandlungsbeginn für vitale Störungen in der Prähospitalphase sicherzustellen sowie unmittelbar folgend eine Kausaltherapie in einem geeigneten Krankenhaus einzuleiten. Erstmals wurde unter Teilnahme von Vertretern der DSG und der DGIIN eine Tracerdiagnose für die Früherkennung und –behandlung der Sepsis bearbeitet und konsentiert. Das Eckpunktepapier wird im 2. Quartal 2016 publiziert werden.